Kleine Filmdoku über unser letztes Experiment "Artist for a Day"

Die Idee zu Artist for a Day hatten wir eigentlich schon im Februar. Dann kam irgendwann der Aufruf zur Kreativnacht St. Pauli, und wir dachten: Das passt doch wie Faust aufs Auge! Schließlich geht es da um Kunst, Künstler und Kreative. Artist for a Day stellt die Frage: Wie ist es eigentlich ein Künstler zu sein? Dazu haben wir ein Format entwickelt, in dem es möglich ist an einem Tag den gesamten Kreativprozess zu durchlaufen. Am Ende wurde es ein Tagesworkshop, in dem wir uns nach einer kurzen Einführung in das Photographieren mit dem Smartphone auf zu einer Photorallye machen, danach die Bilder sichten und besprechen, die besten Bilder auswählen, ausdrucken und aufziehen und gleich am Abend im Rahmen der Kreativnacht ausstellen. Das Ziel war ausdrücklich abends  Bilder zu verkaufen. Wie das lief, seht ihr in dieser kleinen Doku:

Was ihr nicht seht ist, wieviele Momente des Zweifels und andere Widrigkeiten wir in der Vorbereitung und während des Prozesses überstanden haben. Es fing schon mit dem Datum an. Wir so: Geil, Kreativnacht! Gleich im Kalender eintragen! Tagesworkshop ist schließlich voll cool am Samstag! Tja, wir hatten uns aber leider im Datum geirrt. Die Kreativnacht war am Freitag. Alle so "Yeah!", wenn wir von der Aktion erzählt haben, unmittelbar gefolgt von: "Da muss ich aber arbeiten." Trotz der Bewerbung in diversen On- und Offline-Medien (Wir sind sogar mitten am Tag Plakatieren gegangen und mussten uns als "Schmierfinken" beschimpfen und verscheuchen lassen) hat sich einfach kein Schwein angemeldet. Schließlich haben wir mit Katrin nicht nur eine total tolle Mitstreiterin gefunden, sondern konnten auch feststellen, dass es nie und nimmer mit wesentlich mehr Teilnehmern geklappt hätte. Wenn jeder durchschnittlich 40 Photos macht, die alle besprochen werden, sind das bei 10 Teilnehmern ... richtig, das kann man nie und nimmer alles angucken.

Dann gab es massenhaft praktische Probleme. Da kein Photoservice der Welt auf irgendwelche Amateure wartet, die für kleines Geld SOFORT ihre Bilder entwickelt haben wollen, mussten wir uns einen entsprechenden Drucker kaufen (wir brauchten aber eh mal einen). Der kam und kam nicht, wurde dann an die falsche Adresse geliefert, so dass bei uns doch langsam die Anspannung stieg. Der Versuch eine weiße Stoffbahn als Projektionsfläche von innen mit doppeltem Teppichklebeband zu befestigen, mündete in der Erkenntnis, dass a) der Stoff an dem Klebeband nicht hält, aber dafür b) der Lack des Fensterrahmens umso besser an dem Klebeband. (Ich höre jetzt schon irgendeinen Schlaumeier sagen: "Hä, warum habt ihr denn nicht einfach Papier mit Tesa an die Festerscheibe geklebt?" Ja, das ist uns dann auch irgendwann mal eingefallen.) Leider kann man bei uns auch nichts annageln, weil einem dann der ganze Dekoputz entgegenkommt. Also haben wir (nach dem Fensterrahmendebakel) mit schwitzigen Fingern spezielle Posterklebestreifen an der sauteuren Tapete befestigt und nur noch die Daumen gedrückt, dass wir das später schadlos wieder abkriegen. Auch unser total gewitzter Einsatz von If this Then that - zieh die Bilder direkt aus dem öffentlichen Instagram Stream, nachdem du dein Hipstamatic-konto mit Instagram verbunden und die Bilder mit dem entsprechenden Hashtag vesehen hast - Mechanik stellte sich trotz vorherigem Test als weniger grandios heraus als gedacht. Leider merkten wir erst beim Drucken während des Workshops, wie gnadenlos Instagram die Bilder komprimiert. Dass uns dann noch mittendrin der Sprühkleber, das Foamboard und nicht zuletzt die Zeit ausgegangen ist, sei nur noch am Rande erwähnt.

So, warum erzähle ich hier diese ellenlange Geschichte anstatt einfach unsere herrlichen Photos zu posten? Was sagen wir immer? Wir müssen experimentieren, um zu handeln. Und alles, was nicht scheitern kann, ist kein Experiment. Auch die von uns viel beschworene Zuversicht wurde doch das ein oder andere Mal auf die Probe gestellt. Und ich muss auch sagen, Stoizismus helps - a lot. Der eine zweifelt vielleicht, solange er oder sie keine klare Vorstellung von etwas hat. Da müssen andere mit Enthusiasmus aushelfen. Ich persönlich bin eher der gegenteilige Fall. Ich habe ein genaues Bild davon, was ich mit einer Idee erreichen will und wie das am Ende aussehen soll. Das reicht mir vollkommen um gleich loszurennen. Wenn allerdings auf halbem Weg meine heilige Vorstellung vom Ergebnis bedroht ist und ich mich womöglich damit anfreunden soll, dass es am Ende ganz anders oder nur so halbtoll werden könnte, möchte ich am liebsten alles hinschmeißen. Dann helfen mir Leute, die in der Lage sind, sich auf den Prozess zu konzentrieren.

Für mich ist das beste Ergebnis, dass am Freitagabend viele Leute vor den Bildern standen und gefragt haben, wie wir das gemacht haben. Und so gern ich glauben möchte, dass wir voll begabt sind und so, ist es mir lieber, dass am Ende möglichst viele Leute sagen: "Ich glaub, das könnte ich auch! Ich probier das mal!" Oder um es mit einem Pressetext der Herren Erobique und Palminger zu sagen: "Machen, machen und lachen!"